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Jan Schirrmachers Web

Laser Lasersymbol Special - Starkwind

Hurrah - es pfeift. Jetzt geht der Spaß los.

Es gibt zwei typische Starkwindlagen in Schilksee. Die bei Ostwind und die bei Westwind. Starkwind beginnt bei 5 Bft und endet bei 7 Bft in Böen. Darüber haben wir Sturm und segeln nicht mehr.

Die Ostwindlage mit Starkwind

Ostwindlagen sind bei uns oft stabil. Sie haben beständige mittlere Winde und führen zu langen Wellen, die auf die Hafenmole treffen.

Ist der Ostwind stark, bekommen wir Wellen von 1m Höhe und einer Länge, die größer ist als die Bootslänge. Nun gilt es richtig auf die langen Wellen zu reagieren. Ungünstig ist es stumpf gegen die Wellen zu laufen, weil das Boot in die Wellenberg stösst oder in den Wellenrücken klatscht. Das bremst. Ein weiterer Grund ist dabei die peitschende Bewegung des Segels duch die Luft. Die Umströmung wird gestört, es bilden sich energiefressende Wirbel. Besser ist es beides zu vermeiden, das Wellengeklatsche und den Luftpaddel, indem du auf dem Berg abfällst und auf dem Rücken wieder anluvst. Weiche dem Kamm aus!

Wo wir gerade bei den Wellen sind - Paul Goodison empfiehlt vor dem Wind lange Wellen zum Surfen zu nutzen. Uns betrifft dieser Tipp nur, wenn wir Up- und Downwind-kurse laufen, wie in einer Regatta.

Die Westwindlage mit Starkwind

Der kräftige Westwind ist im Raum der Förde meist böig, da er die Landhindernisse überwinden muss und mit wechselnden Wolkenverhältnissen und Schauern einhergeht. Andererseits ist aber das Wasser relativ glatt - es gibt keine langen Wellen, die mehr Fähigkeiten von uns abfordern.

Zunächst erfordert das Auslauf etwas Geschick, denn es drohen achterliche Böen. Diese wirken sich erst nach den ersten 100m aus, da hier die schützende Landabdeckung durch die Rampe schwindet. Starte am besten auf Backbordbug, damit du nicht Halsen musst. Suche dir einen Bereich der Rampe, wo du Raum nach Süden zum Starten hast. Der Laser braucht erst etwas Fahrt, damit du ihn ostwärts steuern kannst. Achte darauf, dass wenig Verkehr im Hafen ist, denn du kannst vor dem Wind nicht bremsen und Kurswechsel bringen Unruhe.

Die Wellen sind nun wegen des ablandigen Windes eher kurz und erfordern kein abreiten. Dafür machen uns nun Böen zu schaffen, die durch große Wirbel über das Land entstehen. Am Wind oder auf raumem Kurs nutze ich die Böen, indem ich abfalle und Speed aufnehme. Wird der Wind wieder schwächer nutze ich die Pause um mehr Höhe zu laufen.

Woran erkenne ich Böen? Ich werfe ab und zu einen Blick nach Luv, wo sie sich durch die gekräuselte Wasseroberfläche ankündigen. Vor einer Bö lässt der Wind oft plötzlich nach. Spührst du also bei Starkwind ein plötzliches Nachlassen des Windes, stelle dich auf eine Bö ein.

Um auf eine Bö durch schnelles Abfallen reagieren zu können, fiere ich kurz zuvor den Niederholer etwas. Dadurch fällt das Boot leichter ab und das Segel bekommt mehr Twist (Segel ist verdreht, Top hat ca. 30° mehr als Baum).

Vor dem Wind

Auslaufen Westwind

Um Strecke zu machen kreuzt du vor dem Wind. Das erkläre ich später. Hier erkläre ich das Vor-Dem-Wind-Segeln, weil du damit aus dem Hafen kommen musst.

Trimme den Niederholer, dass das Segel vor dem Wind etwas Twist hat, der Baum aber nicht steigen kann. Das Segel soll Druck ablassen, ohne dass der steigende Baum das Boot zum Aufschaukeln bringt. Das Unterliek ist geschlossen, denn wir wollen wenig Profil für wenig Druck. Lasse das Schwert unten. Das vermindert zwar etwas die Fahrt und erhöht damit den Druck, aber es stabilisiert das Boot gegen Schaukeln.

Halte dich in der Mitte des Bootes und halte es durch Gewichtsverlagerung ruhig. Wichtig ist, die Schaukelbewegung zu vermeiden. Denke daran, dass die starke Beschleunigung des Bootes gut für dich ist, denn durch Speed wird der Druck vermindert.

Kommst du aus dem Hafen ist die Lage zunächst einmal trügerisch ruhig. Suche dir nun ein Revier ausserhalb der Landabdeckung, wo der Wind beständiger und kräftiger ist. Nach Norden kannst du die "Strander Düse" nutzen und im Süden die Friedrichsorter Enge.

Jetzt wird der Am-Wind-Kurs anstrengend

Am-Wind Trimm

Die Königsdisziplin ist die Kreuz bei starkem Wind. Niederholer und Cunningham sind kräftig durchgesetzt. Das Unterliek ist ebenfalls dicht (aber nicht stramm).

Das Am-Wind-Segeln bei Starkwind ist anstrengend. Wichtig ist eine möglichst kleine Krängung, denn Krängung bedeutet Luvgierigkeit und erfordert bremsendes Gegenruder. Es muss also weit ausgeritten werden. Sitze eher vorn, denn dort kommst du weiter heraus. Achte auf gerade Beine und reite tüchtig aus. Schaffst es trotzdem nicht, öffne die Schot und falle ab. Schneller zu segeln ist besser als hoch am Wind zu krängen.

Bei mittleren Winden wird die Schot Block auf Block gefahren - bei starkem Wind geht das nicht mehr. Zwischen Baumnock und Heck sind ca. 40cm Abstand. Damit das Segel trotzdem flach bleibt, hält der Niederholer die Baumnock unten.

Schau dir die Wende auf YouTube an. Bei Starkwind musst du dich tiefer unter dem Baum ducken, da der Niederholer ihn unten hält.

Der schnellste Kurs - halber Wind

Den meisten Spaß habe ich bei halbem Wind. Dann ist das Boot am schnellsten und auch leicht zu handhaben. Halben Wind haben wir, wenn der Verklicker rechtwinklig zum Boot steht. Weil das Boot dabei ordentlich Speed bekommt, verliert es Höhe. Der Preis für Halbwindkurse ist also immer ein Höhenverlust, der irgendwann durch Aufkreuzen bezahlt werden muss.

Angenommen du hast einen schnellen Am-Wind-Kurs, also nicht hoch am Wind. Jetzt kommt eine Bö - der scheinbare Wind raumt, dreht nach hinten - du bekommst halben Wind. Nutze die Bö, indem du die Schot fierst und etwas abfällst. Wenn du dich jetzt nach hinten bewegst und ausreitest und dabei die Schot dichter holst, wirst du merklich beschleunigen und ab geht die Post.

Vor dem Wind kreuzen

Platt vor dem Wind ist das Boot nicht schneller als der Wind, da es nur vom Staudruck in Luv getrieben wird. Wie beim Vor-dem-Wind-Kurs beschrieben, ist es wichtig, den Niederholer nicht zu lose zu haben und auch nicht dicht. Das Segel soll etwas twisten können, denn dann hast du auf raumem Kurs mehr Speed und beim achterlichem Wind können Böen rausgelassen werden, indem der Baum kurz steigt.

In den 20er Jahren entdeckte man, dass Segelboote schneller als der Wind werden können. Dazu ist neben einem leichten Boot, das seine Rumpfgeschwindigkeit überwinden kann, eine wirbelfreie Umströmung des Segelprofiles erforderlich.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten diese Umströmung zu erreichen. Erstens können wir Höhe abbauen, indem wir mit Halbwind- oder raumen Kursen den Baum wie bei Jollen üblich im Lee halten. Damit bauen wir wenig Höhe ab und fahren schön schnelle Fahrt mit schäumendem Kielwasser.

Die zweite Möglichkeit wählen Regatta-Segler auf dem Laser. Den Down-Wind-Kurs durchfahren sie schneller, indem sie den Baum luvwärts halten und vom Achterliek her anströmen lassen.

Probiere das einmal aus. Segle mit dem Laser klassisch vor dem Wind und falle dann ab wie zur Halse, aber langsamer. Kurz bevor der Baum überkommt, wehen die Windbändsel plötzlich zum Mast und der vor dem Mast befestigte Verklicker spielt verrückt. Dabei wirst du schneller. Statt jetzt weiter zu drehen und die Halse zu vollenden, bleibst du so und beobachtest dein Achterliek und die Windbändsel. Wenn du jetzt noch durch Krängung die Baumnock anhebst, segelst du wie die Profis.

Speed auf raumem Kurs und halbem Wind

Hier noch ein wichtiger Tipp, mit dem du auf halbem und raumem Wind die beste Speed herausholst. Bei kräftigem Wind ist es wichtig aufrecht zu segeln, da das Boot sonst luvgierig wird. Wegen des großem Hebels der aussermittigen Segelkräfte musst du bei Krängung viel bremsendes Ruder legen. Dagegen hilft Twist:

Twist des Segels bedeutet, dass es im oberen Bereich einen anderen Winkel zur Bootsachse hat als im unteren. Hat der Baum bespielsweise einen Winkel von 30° zur Bootsachse, so könnte das obere Viertel des Segels einen Winkel von 50° haben. Sinnvoll ist das, weil der Wind nach obenhin raumt, d.h. weiter von quer kommt als von vorne. Der scheinbare Wind kommt dort nicht so von vorne.

Der Vorteil liegt auf der Hand: im Masttop, dort wo der Hebel am größten ist, wirkt die Kraft des Segels durch den Twist eher nach vorne, als im unteren Bereich des Segels. Kein Twist bedeutet mehr Krängung und mehr bremsende Ruderwirkung.

Wir ermöglichen Twist durch maßvolles öffen des Baumniederholers. Die Baumnock kann steigen, das Achterliek öffnet sich und das Segel verdreht sich.

Starkwindhalse

Das schöne am Halsen auf dem Laser ist, dass ausser einer Kenterung eigentlich nix passieren kann. Es gibt aber ein paar Schwierigkeiten mit der Schot, die leicht passieren. Die häufigste ist das Hängenbleiben der Schot am Heck. Die Schot unsere alten Laser 1 ist recht schwer, was dazu beiträgt. Am besten verhinderst du das, indem du 1. die Halse mit Luvkrängung fährst und 2. beim Herumkommen des Baumes kurz an der Schot reißt. Auf schweren Jollen oder Yachten soll das Dichtholen, den Ruck auf dem neuen Bug verhindern. Das ist beim Laser nicht erforderlich. Auch trägt eine zügige Halse zu einem sauberen Überkommen der Schot bei. Ist die Halse zu langsam, wird die Schot nämlich im Kielwasser geschleppt und befindet sich im entscheidenden Moment unterhalb des Dollbordes. Manchmal verheddert sich die Schot auch an der Baumnock, oder sie rauscht aus, weil der Achtknoten fehlte oder die Blöcke am Traveller trennen sich.